0

Buchtipps

60 Kilo Sonnenschein, das ist der ein wenig rätselhafte Titel des neuen Romans des isländischen Ex-Comedian und Literaturstars Hallgrimur Helgason. Halsbrecherisch gut schreibt der Autor von der zutiefst finsteren Zeit und von der allerärmsten und unterdrücktesten Gesellschaft, die es in den letzten Jahrhunderten auf diesem Planeten gegeben hat: den isländischen Bauern am Segulfjörður.

Als der Nobelpreis vor einigen Wochen verliehen wurde, ging er seltsam ins Leere. Keiner kannte die Preisträgerin Louise Glück, Bücher waren nicht erhältlich. Das hat sich nun geändert, denn ihr Gedichtband Wilde Iris ist wieder lieferbar. Klassische Themen der Introspektion und der Naturbeobachtung verleiht Louise Glück eine radikale zeitgenössische Sprache.

Was wäre, wenn? Keiner weiß es, aber manchmal ist es äußerst vergnüglich, eine Sache gedanklich fortzuspinnen, so geschehen im neuen Roman von Laurent Binet. Was wäre, wenn die Wikinger bei einem der – nachgewiesenen – Besuche Amerikas im frühen Mittelalter Spuren in Form der Eisengewinnung hinterlassen hätten?

Plötzliches Dunkel in New York City, ein Flugzeugabsturz, ein Super Bowl mit schwarzem Bildschirm: die Katastrophe bricht in Don DeLillos Die Stille über die Protagonisten plötzlich und grundlos herein und macht die Situation, die sonst gerne zu einem dystopischen Actionsetting genutzt wird, zum Kammerspiel.

Gleich zwei Jubiläen in diesem Jahr fordern auf, wieder einmal die Gedichte von Paul Celan aus dem Regal zu ziehen und zu blättern. Vor 100 Jahren in Czernowitz geboren und vor 50 Jahren in Paris gestorben, hat Celan nur die Hälfte des Jahrhunderts gelebt, aber mit seinem Werk bis heute unlöschbare Spuren hinterlassen.

Es gibt Buchfreunde und es gibt Bibliophile. Beide heißen gleich, doch wo die ersten den Schwerpunkt auf das Lesen legen, spielt bei den zweiten die Gestaltung des Buches, die gelungene Abstimmung von Inhalt, Papier, Schrift, Layout und Einband eine gleich große Rolle.

Der Bücherherbst wartet gleich mit zwei Neuerscheinungen für Dengler-Fans auf: Der neue Dengler-Krimi spielt in Kreuzberg. Packend wie immer erzählt Schorlau von undurchsichtigen Immobilienhaien, die skrupellos der Rendite hinterherjagen. Außerdem gibt es das erste Kochbuch von Mario Ohno, dem Koch der Einzimmertafel, wie man sie aus Denglers Romanen kennt. Der Stuttgarter hat nicht nur die größte Kochbuchsammlung der Stadt, sondern betreibt sein "Restaurant" tatsächlich. Für sein Buch hat er italienische Rezepte versammelt.

Während der große Bildband mit Fotografien von Uta Süße-Krause und einem Text von Martin Neher derzeit nicht lieferbar ist, hat sich ein neues Buch über das Kloster Maulbronn in den Vordergrund geschmuggelt: Im gleichen Verlag wie der Bildband ist nun Das Kloster Maulbronn erschienen, ein kleinformatiges Buch mit elegantem Text des BNN-Redakteurs Michael Hübl und Fotografien von Ewald Freiburger.

Ein Göttingischer Forscher und ein arabischer Astronom, gestrandet auf einer wüsten Insel vor den Toren Mumbais: voller Esprit entwickelt Christine Wunnicke aus der wundersamen Begegnung eine Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts kompakt. Der ganz zeitgemäße Dialog führt vom Hölzchen aufs Stöckchen, von den Göttinger Gelehrtengrotesken zur den Wissenswelten eines Sultanats, von der christlichen zur arabischen Aufklärung und wieder zurück.

Nach Andry Merriefields Gribouille und Brian Sewells (fiktionaler) Pawlowa betritt in diesem Herbst mit Sherman wieder eines jener eigenwilligen und bei allen Eigenheiten aus unerfindlichen und höchst verborgenen Gründen liebenswürdigen Grautieren den Buchmarkt. Sehr vergnüglich und in zum Teil hohem Tempo (Eselrennen!) berichtet Christopher McDougall aus den Rocky Mountains über die Eselkultur in den USA.