0

Buchtipps

Die meisten werden schon einmal die Alpen über den Reschenpass gequert haben, sich nach einigen Kehren bergauf über den großen See im weiten Tal zwischen den Gipfeln gefreut und mit einiger Verwunderung den Kirchturm erblickt haben, der mitten aus dem See ragt.

In den Sommermonaten ist ein bewährtes Mittel für alle Krimileser, sich in die Lagune aus blauen Covern mit touristischen Schönheiten von den Küsten Europas zu begeben, und einen mittel- bis dickleibigen Krimi auszuwählen. Wer sich nur mit kleinen, aber feinen Häppchen begnügen will, kann alternativ zu den Gefährlichen Ferien aus dem Diogenes Verlag greifen.

Als „Polizeiberater“, ein von seinen Exkollegen widerwillig akzeptierter Begriff, ist Albin Leclerc unterwegs, nachdem er seinen Dienst als Commissaire quittieren musste. Dank seiner Verbindungen in alle Winkel des gesellschaftlichen Lebens ist er beim Ermitteln erfolgreicher, als seine Kollegen im Amt. Leclerc gehört zu den knorrigen Einzelgängern, die mit Intelligenz, gesundem Menschenverstand und einem dehnbaren Rechtsbegriff auch Fälle lösen, an denen der Staat scheitert.

Aus dem kanadischen Norden, aus Nunavut, einer Region, fünf mal so groß wie Deutschland, mit der Einwohnerzahl einer deutschen Kleinstadt, kommt Tanya Tagaq. Als Sängerin und Performerin ist sie mit Björk und dem Chronos Quartett unterwegs. Jetzt tritt sie auch als Autorin auf, und bringt ihre Geschichten von jenseits des Polarkreises mit. Sie erzählen von einer unerbittlichen Natur und ebenso unerbittlichen Menschen. Gewalt, pubertäre Konflikte, Akohol, und was man sich noch unter einer Existenz am Ende der Welt vorstellt.

Seit vielen Jahren schreibt Oliver Pötzsch an seiner Henkerstochter-Saga, von der nun der Band 8 erscheint. In Zeiten der Pest spielt der neue Band, der in vielen Details an unsere Corona-Zeiten erinnert. Sein persönlichstes Buch sei es, meint er, der selbst tatsächlich aus der Familie der Henkerstochter stammt. Überzeugen Sie sich selbst. Der Autor liest online Auszüge aus seinem neuen Buch und spielt dazu auf der Gitarre: https://youtu.be/aVB-Zu7IUno

Müssen jetzt auch noch Bücher über die Krise gelesen werden, die alle Kanäle fast vollständig belegt? Das kleine Buch von Paolo Giordano ist ein Wagnis, aber durchaus gelungen. Es beschreibt sein eigenes Innehalten in Rom in den vergangenen Wochen. Die Ruhe führte den Schriftsteller zu Reflexionen über das, was man wissen, was man denken, und was man fühlen kann, angesichts einer neuen Bedrohung. Es ist ein offenes Buch, und das macht es lesenswert.

Benjamin Myers Offene See ist ein schwelgerisches Buch. Es ist die Geschichte des jungen Robert, der aus seinem engen Zuhause im Nordosten Englands ausbricht und nach Süden wandert. Er sucht die Weite des offenen Meeres, die Schönheiten der Landschaft im Gegensatz zu den staubgeschwängerten und trostlosen Minenstädten.

Furiose Thriller im Sci-Fi-Setting sind Qube und Hologrammatica von Tom Hillenbrand. Die Entfesselung Künstlicher Intelligenz und die zwar problembehaftete, aber mögliche Trennung von Körper und Geist führen in den beiden auf einander aufbauenden Büchern zu mannigfaltigen Verwicklungen im Alltag, wie in der Welt des Verbrechens und ihrer Aufklärung.

Eines der besten Bücher des Frühjahrs und - wie die Neuerscheinungen von Leif Randt und Lutz Seiler - für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, ist der neue Roman von Verena Güntner Power. „Kerze“, die Hauptfigur des Romans, ist ein Mädchen von 11 Jahren, das sich auf die Suche nach dem verschwundenen Hund Power der alten Hitschke macht. Sie gibt sich dazu einen Auftrag und zieht ihn durch – ohne Rücksicht auf Verluste.

Die Ausstellung ist abgesagt, aber der Katalog ist erschienen: Die Alltagsmagie mit ihren Riten, Schutzzaubern und Bauopfern ist für unsere Region exemplarisch in der neuen Publikation versammelt, die vom Stadtarchivar Martin Ehlers herausgegeben wurde. Viel befremdliches und einiges Unbekanntes einer noch gar nicht lange versunkenen Welt haben die Autoren des Sammelbandes ausgegraben.