Der Sturm

Das Plaudern über das Wetter ist vermutlich eine der Grundlagen des menschlichen Lebens, ohne die unsere Welt nicht vorstellbar ist. Denn seit es den Menschen gibt, ist er dem Wetter ausgesetzt, mal mehr, wie in den Anfängen, mal weniger wie heute. Doch mit dem Klimawandel ändert sich das möglicherweise, und wir werden unfreiwillig wieder ein wenig unbehauster und den Stürmen dieser Welt verstärkt ausgesetzt.

Ein großartiges literarisches Denkmal des Wetters in seinen dramatischen Dimensionen hat schon 1941 der amerikanische Autor George R. Stewart mit seinem Roman Der Sturm errichtet, der jetzt erstmals auf deutsch erschienen ist.

Er beschreibt in seinem Roman einen Sturm wie einen Menschen, von seiner Geburt zwischen der sibirischen und japanischen Küste bis zu seinem Tod über dem Atlantik. Er berichtet von seinem Leben, von seinen Kindern, wie er sich verändert und entwickelt, und welche Taten er vollbringt.

Stewart erzählt dabei sowohl vom Sturm selbst in meteorologischen, geographischen und physikalischen Begriffen.

Die Dramatik des Geschehens wird aber vor allem in seinen Auswirkungen sichtbar, und so hat er zahlreiche Nebenfiguren eingeführt: Meteorologen, Bahnarbeiter, ein Pilot, ein Wasserbeauftragter, aber auch eine Zeder, die im Jahr der Landung von Sir Francis Drake an der Küste Kaliforniens im 16. Jahrhundert aus dem Boden sproß, oder von dem Eber Blue boy, der sich in der Bergwelt des Küstenstaates herumtreibt. Auch ein Blick von weit außen aus dem Weltall – wie in den Umlaufbahnen von Samantha Harvey, der aktuellen Booker-Preisträgerin – kommt vor.

Das Ergebnis ist ein beeindruckender, mitreißender und auch gelehrter Roman, der einen gleichzeitig kühl distanzierten, protokollierenden und leidenschaftlichen Blick auf die Natur wirft.