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Buchtipps - Kinderbuch

In der großen Stadt am Hafen gibt es einen Marder namens Zorilla, einen gefürchteten, in einen schwarzen Mantel gekleideten und geheimnisumwitterten Mitbürger. Als er anfängt, in rätselhaften Aktionismus zu verfallen, fragen sich die Einwohner der Stadt, das Krokodil, der Affe, das Pferd oder die Ratten, auf welche Bedrohung sie sich nun einstellen müssen. Ängste werden wach, Gerüchte machen die Runde. Nach einer Nacht voller Schrecken ist Zorilla verschwunden.

Wer in den tristen Tagen des Januars und Februars einen kleinen Lichtblick sucht, der findet ihn im traumverlorenen Bilderbuch von Agnès Lestrade und Valeria Docampo. Die Geschichte erzählt von der kleinen Rosa, die aus Nebel dichte Schleier, Teppiche und Vorhänge webt, mit der die Welt verdeckt werden kann. Dunkelheit und Dämmerlicht sind das Resultat des webenden Mädchens, das erst durch einen Brief des Vaters aus seinen Gespinsten gerissen wird. Erinnerungen an eine glückliche Zeit führen zum Aufklaren des Nebels und erlösen Rosa aus ihrer düsteren Welt.

Großartig geschrieben, humorvoll und trotz einigem Lehrmaterial an Bord ein äußerst unterhaltsamer Marsch in den Wald zum geheimnisumwitterten Reuber ist der neue Roman von Finn-Ole Heinrich. Ein Kinderbuch scheint es mir aber - trotz gegenteiler Auffassung des Verlages - nicht zu sein. Voller Überraschungsmomente und witziger Einfälle ist das Buch kein Kinderbuch. Zu sehr dominiert die Eigenperspektive eines werdenden Vaters auf die Welt, Beziehungsprobleme sind allenfalls von geringem Interesse für Kinder unter 8 Jahren.