Die Witze der Genies - Das Blaubeurer Lagerbuch

Vermutlich als Unikum steht in der deutschen Literaturgeschichte das sogenannte Blaubeurer Lagerbuch da. Eigentlich eine Art Schülerzeitschrift umfasst es Erinnerungen von Schülern an ihre Schulzeit. Dass es nun eine kommentierte Edition dieses Paralipomenon – man verzeihe mir diesen Ausdruck, aber in diesem Fall scheint er sehr gerechtfertigt, und ich wollte ihn schon immer einmal anbringen :-) - , dass es nun also eine kommentierte Edition dieses Werks gibt beruht darauf, dass es von Mitgliedern der sogenannten Geniepromotion im Evangelischen Seminar von Blaubeuren stammt.

Vor allem David Friedrich Strauß, Friedrich Theodor Vischer und Wilhelm Zimmermann, später alle berühmte Wissenschaftler, waren die Beiträger zum Lagerbuch, das mit Gedichten, Dramoletten und satirischen Zeichnungen vier Jahre Schülerleben im frühen 19. Jahrhundert festhält.

Das Besondere: man sieht hier den noch jugendlich kritischen, von Lyrik durchdrungenen und an der klassischen Literatur geschulten, spottlustigen, bissigen, oft albernen und durchaus aufbegehrenden Humor am Werk, der einem beim Begriff des schwäbischen Theologen, der eigentlich in der Laufbahn Seminar/Stift erzeugt werden sollte, vermutlich nicht als erstes einfällt.

Das Lagerbuch ist für alle interessant, die sich für Bildungsgeschichte interessieren, denen die Literatur Württembergs am Herzen liegt, die vielleicht selbst einmal auf einem der Seminar waren, und natürlich für jeden, der einen Sinn für Literatur und Humor hat.

Dank der sorgfältigen Kommentare von Helmuth Mojem, Leiter des Cotta-Archivs am DLA Marbach und Honorarprofessor in Tübingen, ist das Werk auch den Leserinnen und Lesern zugänglich, die mit der Institution Seminar nicht vertraut sind.


Bibliographie