Blick in die Finsternis

Genauer kann ein Titel ein Buch nicht beschreiben. Irene Solà gibt uns Augen, damit wir den Blick in die Finsternis riskieren können. Nichts für schwache Nerven ist dieser Roman, der uns in die tiefsten Abgründe eines Dorflebens in der Einsamkeit der katalanischen Voralpen der Provinz Girona führt.
Die Handlung entfaltet sich gleichzeitig in fünf Jahrhunderten. Vom 17. Jahrhundert bis heute reicht der zeitliche Rahmen, in dem die Zeit aufgehoben ist. Prophezeiungen,Träume und Alpträume gehen nahtlos in die Realität über.

Solà erzählt von einige Frauen, deren Zahl sich im Laufe der Geschichte wandelt, und die im Mas Clavell wohnen, einem Bauernhof und ortlosen Ort der Gewalt und des Widerstands von Frauen. Wenig Grausamkeiten werden uns erspart: vom Vierteilen eines Verurteilten in der frühen Neuzeit bis zu Vergewaltigungen im spanischen Bürgerkrieg ist alles dabei. Es gibt Teufel, natürlich Wildschweine und jede Menge irrlichternder Gestalten.

Irene Solà zieht alle Register einer Sprachgewalt, die uns aus den Seiten entgegenschlägt, als ob sie mit Ihrem Buch die Verletzungen zurückgeben will, die ihren Figuren angetan wurde. Grandios, aber schwer erträglich.


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