Frankfurter Buchmesse: Gastland Philippinen
In diesem Jahr hat die Frankfurter Buchmesse einen, für literarische Verhältnisse jedenfalls, exotischen Gast eingeladen: die Philippinen. Bücher von Autoren aus diesem Land sind hierzulande eher rar, obwohl es durchaus lange Verbindungen zwischen Deutschland und den Philippinen gibt.
So sind in diesem Jahr gleich zwei Bücher erschienen, die mit dem philippinischen Nationalhelden José Rizal verbunden sind. Im Insel-Verlag ist eine Neuübersetzung von Noli me tangere des Autors, Arztes und Freiheitshelden Rizal erschienen, das 1887 zuerst in Berlin auf spanisch erschienen ist. Rizal lebte längere Zeit in Madrid, Paris und Heidelberg, bevor er 1892 auf die Philippinen zurückkehrte. Zu dieser Zeit herrschte noch die brutale, spanische Kolonialregierung, die den Autor wegen seines Buches und seiner Auswirkungen auf das philippinische Selbstverständnis 1996 hinrichten ließ. Bis heute ist das Buch Pflichtlektüre an den Schulen.
Der gleichen Person ist Annette Hugs Wilhelm Tell in Manila gewidmet. Hier ist Rizals Projekt einer Übersetzung von Wilhelm Tell ins Tagalog der rote Faden, der sich durch das Buch zieht. Was passiert, wenn mythologische Figuren einer Kultur, die nur noch als Klischee vorhanden sind, in eine fremde Kultur übertragen werden?
Ganz der philippinischen Mythologie verpflichtet ist der Roman Das Meer der Aswang von Allan N. Derain, der die Geschichte eines mutigen Mädchens erzählt, das sich durch eine Welt voller Geisterwesen, Priester und Kolonialherren sucht, um seinen eigenen Weg zu finden. Die Inselwelt der Philippinen ist in diesem Roman sehr gegenwärtig und fremd zugleich. Übersetzt wurde der Roman von Annette Hug.
Ganz anders weil im modernen Manila angesiedelt, ist Gagamba, der Spinnenmann von Francisco Sionil José, ein Krimi der Gegenwart mit sozialen Spannungen, Ausbeutung, Korruption und Naturkatastrophen.
So vielfältig dieses Land aus fast 8000 Inseln und 170 Sprachen ist, so breit ist die Literatur, die es nun in Ansätzen auch in Deutschland zu entdecken gibt.