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ISBN/EAN: 978-3-498-02008-8
Einband: gebundenes Buch
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Übersetzer:
Bettina Abarbanell
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
832 S.
Format (T/L/B):
4.8 x 22 x 15 cm

Hersteller:
Rowohlt Verlag GmbH
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produktsicherheit@rowohlt.de
Kirchenallee 19
DE 20099 Hamburg


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Unser Tipp für Sie

Crossroads heißt der neue Roman vom amerikanischen Großschriftsteller Jonathan Franzen, und wie schon seine vorangegangenen Romane handelt es sich auch bei diesem um ein intensives Gesellschaftsporträt, hier der frühen 70er Jahre. Am Beispiel der Weihnachtstage der Familie Hildebrandt aus dem fiktiven New Prospect, Illinois, verhandelt der Autor alle wichtigen Themen der Zeit: Frauenbewegung, Jugendprotest, Drogenkonsum, Vietnamkrieg – habe ich etwas vergessen?

Zwei Tricks helfen ihm, all diese Themen und noch viele mehr in ein komplexes Beziehungsgeflecht einzubetten und dadurch interessant zu machen. Zum einen lässt er in einzelnen Kapiteln die Protagonisten der Familie, der Vater Russ, die Mutter Marion, die Söhne Clem und Perry und die Tochter Becky, zu Wort kommen, indem er aus ihrer Perspektive erzählt. Nur der 9-jährige Judson darf nicht, was sich leicht aus dessen noch nicht ausgebildeter Reflexionsfähigkeit erklären lässt.

Genau diese ist es aber, die den Roman am Laufen hält. Denn mehr als 800 Seiten wollen spannend erzählt sein, und das gelingt Franzen nicht nur durch den Wechsel der Perspektiven und Rückblenden in die Familiengeschichte, sondern auch durch den zweiten Trick: Jede Figur redet in diesem Buch nicht nur, sondern reflektiert ihre Handlungen und die der Anderen. Mit fast durchgängiger Regelmäßigkeit reagieren aber alle Figuren unerwartet, um nicht zu sagen gegensätzlich auf das jeweilige Anliegen der Hauptfigur.

Das Ergebnis ist eine mäandernde Tragikkomödie, in der allen heroischen Anstrengungen, jedem schmerzlichen Einbruch und beinahe jeder Gefühlsregung eine erstaunte, wütende selige, jedenfalls stets unerwartete Reaktion folgt. Wie genau dieser Roman komponiert ist, zeigen kleine Details. So findet sich genau in der Mitte des Romans zwei Szenen, in denen vor dem stets niederknienden Pfarrer Russ sein Erzfeind Ambrose niederkniet, während in der Folgeszene Russ’ Tochter Becky – vor der alle niederknien - vor ihrer Erzfeindin Laura niederkniet.

Gegensätze und Symmetrien scheinen das heimliche Gestaltungsprinzip dieses Romans zu sein, der ebenso humorvoll wie tragisch erzählt ist. Sie bringen für uns Rezipienten Ordnung in das emotionale Durcheinander, das in dieser Kleinstadt kurz vor Weihnachten und im darauf folgenden Frühjahr in dieser Gemeinde herrscht. Schuld, Verantwortung, Vergebung, Liebe, Hass, Enttäuschung sind die psychischen Pole, um die die Figuren kreisen, und die das Spiel aus Anziehung und Abstoßung am Laufen halten. Die Frage nach Moral, nach Schuld und Glauben ist in eher ungewöhnlich intensiver Weise präsentiert. Ansätze zu philosophischen Höhenflügen findet man aber eher selten, es menschelt sehr. Aber vielleicht gehört das zum Geheimnis des page turners.

Der Band ist der Auftakt zu einer Trilogie namens A Key To All Mythologies. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

 

Beschreibung

Ein Roman über eine Familie am Scheideweg: über Sehnsucht und Geschwisterliebe, über Lügen, Geheimnisse und Rivalität. Der Auftakt zu Jonathan Franzens Opus magnum 'Ein Schlüssel zu allen Mythologien' - einer Trilogie über drei Generationen einer Familie aus dem Mittleren Westen und einem der größten literarischen Projekte dieser Zeit. Es ist der 23. Dezember 1971, und für Chicago sind Turbulenzen vorhergesagt. Russ Hildebrandt, evangelischer Pastor in einer liberalen Vorstadtgemeinde, steht im Begriff, sich aus seiner Ehe zu lösen - sofern seine Frau Marion, die ihr eigenes geheimes Leben lebt, ihm nicht zuvorkommt. Ihr ältester Sohn Clem kehrt von der Uni mit einer Nachricht nach Hause zurück, die seinen Vater moralisch schwer erschüttern wird. Clems Schwester Becky, lange Zeit umschwärmter Mittelpunkt ihres Highschool-Jahrgangs, ist in die Musikkultur der Ära ausgeschert, während ihr hochbegabter jüngerer Bruder Perry, der Drogen an Siebtklässler verkauft, den festen Vorsatz hat, ein besserer Mensch zu werden. Jeder der an einem Scheideweg stehenden Hildebrandts sucht eine Freiheit, die jeder der anderen zu durchkreuzen droht. Jonathan Franzen ist berühmt für seine Gegenwartspanoramen mit ihren unvergesslich lebendigen Figuren. Jetzt, in 'Crossroads', einer aus mehreren Perspektiven erzählten Geschichte, die sich im Großen und Ganzen an einem einzigen Wintertag entrollt, nimmt er den Leser mit in die Vergangenheit und beschwört eine Welt herauf, die in der heutigen noch nachhallt. Ein Familienroman von beispielloser Kraft und Tiefe, mal komisch, mal zutiefst bewegend und immer spannungsreich: ein fulminantes Werk, in dem Jonathan Franzens Gabe, im Kleinen das Große zu zeigen, in Erscheinung tritt wie nie zuvor. 'Jonathan Franzen ist einer der größten lebenden Schriftsteller, und seine Romane gehören zum Kanon der großen amerikanischen Familien- und Sozialepen.'DER SPIEGEL

Über Jonathan Franzen

Jonathan Franzen, 1959 geboren, erhielt für seinen Weltbestseller 'Die Korrekturen' 2001 den National Book Award. Er veröffentlichte außerdem die Romane 'Die 27ste Stadt', 'Schweres Beben', 'Freiheit' und 'Unschuld', das autobiographische Buch 'Die Unruhezone', die Essaysammlungen 'Anleitung zum Alleinsein', 'Weiter weg' und 'Das Ende vom Ende der Welt' sowie 'Das Kraus-Projekt' und den Klima-Essay 'Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen'. Er ist Mitglied der amerikanischen Academy of Arts and Letters, der Berliner Akademie der Künste und des französischen Ordre des Arts et des Lettres. 2013 wurde ihm für sein Gesamtwerk der WELT-Literaturpreis verliehen, 2022 der Thomas-Mann-Preis. 2015 erhielt er für seinen Einsatz zum Schutz der Wildvögel den EuroNatur-Preis. Er lebt in Santa Cruz, Kalifornien. Bettina Abarbanell, geboren in Hamburg, lebt als Übersetzerin - u.a. von Rachel Kushner, Jonathan Franzen, Denis Johnson, Jane Campbell, Rebecca Makkai und James Baldwin - in Potsdam. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis.

Schlagzeile

Die Familiengeschichte des Jahrhunderts.