Schulze im September

Ingo Schulze muss man kaum vorstellen. Zu sehr hat er seit seinen Simple storys (1998s) nicht nur die Literatur unseres Landes mitgestaltet, sondern auch den politischen Diskurs begleitet. Nun ist zum ersten Mal ein Buch von ihm für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Mit seinem Wasser im August erzählt er nun ganz schlicht von einer Lesereise, auf der ein Autor aus einer unveröffentlichten Novelle liest. Diese Novelle erzählt vom 16-jährigen Thomas, der erste Gehversuche auf dem Feld der Literatur unternimmt, und der offenbar der Autor des Romans in jungen Jahren ist. Damit nicht genug: die Lesereise führt ihn direkt in die alte Heimat, wohin ihn ein ehemaliger Mitschüler zur Feier seines Geburtstags eingeladen hat.

Schulze gelingt es mit altmeisterlicher Präzision und Leichtigkeit die verschiedenen Ebenen ganz im novellistischen Sinne mit Leben zu erfüllen und mit immer neuen Wendungen zu überraschen. Es gibt den coming-of-age-Roman des jungen Thomas auf ersten Liebeswegen, die Konflikte zwischen den politisch Aktiven und den Vorsichtigen 1979 und 2026, die Lebenslügen, die ganz frischen und die gut abgehangenen, und es gibt die Frage nach der Funktion von Literatur und danach, wie sie überhaupt entsteht oder entstehen kann, 1979 und 2026, beim jungen und beim alten Autor, in der DDR und im heutigen Deutschland. Nicht zu vergessen die feinen biblischen Referenzen, die dem Text einen kulturgeschichtlichen Echoraum verleihen,

Mit diesem Buch hätte Ingo Schulze sicher den Buchpreis verdient, auch wenn er neben seinen KonkurrentInnen im Hinblick auf Alter und Erzählhaltung ein wenig isoliert erscheint. Wir wünschen allen viel Glück.


Bibliographie