Picknick im Dunkeln

Man stelle sich vor: die Existenz nach dem Ende. Wie könnte sie aussehen, welche Sinne registrieren noch das Dasein, was kann man sehen, riechen, fühlen, schmecken und hören um sich zu vergewissern, dass man noch da ist? Und welche Rolle spielt dabei das Denken?

Der neue Roman von Markus Orths hat sich genau dieser Frage verschrieben und führt das Nachdenken über das Dasein mit Hilfe zweier Protagonisten vor, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Thomas von Aquin und Stan Laurel. Der große Theologe, ein keuscher Bär von Mann und Denker, und der schmächtige Komiker, Held der Oberfläche, Lebemann und Frauenheld, treffen sich in totaler Dunkelheit.

Es beginnt ein Dialog über den Menschen, seine Wahrnehmung, seine Grenzen, über das, was das Leben ausmacht, und was den Tod, über die Zeit, die Vergänglichkeit, die Lust, über Lüge und Wahrheit.

Picknick ist dabei ein zutreffender Titel. Man nippt an den großen Fragen der Philosophie und Theologie, man darf mit Stan lächeln und mit Thomas Rückgrat zeigen, man darf groß denken und ebenso groß fühlen.

Markus Orths hat ein auf den ersten Blick überraschendes Buch geschrieben, das sich auf den zweiten Blick aber gut in sein Werk einfügt. Das Denken über das Denken, über den Menschen und seinen Blick auf die Welt grundiert alle seine Romane, es sind oft auch philosophische Romane. In Picknick im Dunkeln begegnen sich nun die Theorien wie Menschen und kommunizieren miteinander. Orths steht damit in der alten Tradition des Totengesprächs, das seit bald 2000 Jahren die Literatur belebt, und der er mit seinem Buch eine eigenwillige und frische Variation hinzugefügt hat.


Bibliographie