Nahe Zukunft

Vor 35 Jahren ist die Zukunft Gegenwart geworden ("1984"). Die Dystopie, die Utopie als schlechteste aller Zukünfte, ist zu einem der führenden Genres der gegenwärtigen Buchproduktion geworden. Und zugleich werden die Grenzen zwischen dem, was als Zukunft gedacht wird und schon heute gegenwärtig ist, immer durchlässiger.

In Die Siedlung von Su Turhan ist das zukünftige Element eine allgegenwärtige und fast allmächtige Überwachungsmaschinerie, allerdings nur modellartig in einer kleinen Siedlung implementiert. Eine Agentin schleust sich als Yoga-Lehrerin in die Siedlung ein, um dem Kleindiktator auf die Spur zu kommen. Der schlägt mit allen Mitteln zurück.

Der Thriller über den Überwachungsstaat im Kleinen ist ein brandaktuelles Thema, bewegen wir uns doch mit großen Schritten genau dorthin. Und deswegen sind diese Dystopien, die zu einem großen Teil schon Gegenwart sind, notwendig: damit mit solchen Lehrstücken das Bewußtsein dafür geschärft wird, was durch eine weitgehende Überwachung und die Preisgabe der persönlichen Daten geschehen kann - und vielleicht auch geschehen wird.

Dass der Autor sein Geld als Drehbuchautor verdient ist dabei nicht von Nachteil. Es ist eine spannende Lektüre.