Lichte Stille

Der Titel ist Programm, denn Lichtungen sind die Orte, an denen die Hauptfigur Lev ganz bei sich ist. Lichtungen im rumänischen Wald, in Siebenbürgen, urwüchsig und still. Sie sind aber auch der Ort einer gnadenlosen Arbeit, damals, als der Kommunismus noch ganz Osteuropa und den Balkan beherrschte.

Erst am Ende der Geschichte von Iris Wolff langt man dort an, in der Vergangenheit. Der Beginn liegt in der Gegenwart, wo Lev auf der Suche nach der Liebe und sich selbst durch Europa zieht, um in Zürich seine Jugendfreundin Kato zu treffen.

Zwischen diesen beiden Polen spannt sich eine Geschichte, die Interieurs in rumänischen Bauernhöfen, Dorffeste, den Winter in den Karpaten oder ein Krankenlager in stillem Licht und manchmal zauberhafter Verklärung vor unseren inneren Augen aufscheinen lässt.

Ein schönes Buch über die Vergangenheit mit melancholischem Schimmer hat sie also geschrieben, aber auch eine Liebesgeschichte, in der die Liebe ebenso schön und schmerzhaft, ungreifbar und offen ist, wie Kato für Lev.

 


Bibliographie
Tipp
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Lichtungen
Iris Wolff
Lichtungen
Roman - 'Ein sehr schönes, stilles, kraftvolles Buch' Thea Dorn, Literarisches Quartett
EAN: 978-3-608-98770-6
Shortlist Deutscher Buchpreis 2024Ausgezeichnet mit dem Uwe-Johnson-Preis'Du hättest zurücksehen müssen, dachte er, allein um zu wissen, ob sie sich nach dir umgewandt hat.'Zwischen Lev und Kato besteht seit ihren Kindertagen eine besondere Verbindung. Doch die Öffnung der europäischen Grenzen weitet ihre Lebensentwürfe und verändert ihre Beziehung für immer. Voller Schönheit und Hingabe erzählt Iris Wolff in ihrem großen neuen Roman von zeitloser Freundschaft und davon, was es braucht, um sich von den Prägungen der eigenen Herkunft zu lösen. Als der elfjährige Lev über Wochen ans Bett gefesselt ist, wird ausgerechnet die gescheite, aber von allen gemiedene Kato zu ihm ans Krankenbett geschickt, um ihm die Hausaufgaben zu bringen. Zwischen dem ungleichen Paar entsteht eine unverbrüchliche Verbindung, die Lev aus seiner Versteinerung löst und den beiden Heranwachsenden im kommunistischen Vielvölkerstaat Rumänien einen Halt bietet. Ein halbes Leben später läuft Lev noch immer die Pfade ihrer Kindheit ab, während Kato schon vor Jahren in den Westen aufgebrochen ist. Geblieben sind Lev nur ihre gezeichneten Postkarten aus ganz Europa. Bis ihn eines Tages eine Karte aus Zürich erreicht, darauf nur ein einziger Satz: 'Wann kommst du?' Kunstvoll und poetisch verwandelt Iris Wolff jenen Moment in Sprache, wenn ein Leben ans andere rührt, und zeichnet in ihrem großen europäischen Roman das Porträt einer berührenden Freundschaft, die sich als Reise in die Vergangenheit offenbart und deren Leuchten noch lange nachklingt.

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