Leipzig hat gesprochen

Die Preise der Leipziger Buchmesse sind vergeben und haben den Status von Leipzig als dem politischen Gewissen der deutschen Buchgroßpreise bestätigt.

Die Halbinsel von Kristine Bilkau hat die Jury des Belletristikpreises als bester Roman für sich gewinnen können. Sie erzählt die Geschichte einer Mutter und ihrer Tochter auf einer Halbinsel an der Nordsee, wo die einsame Mutter der Aktivistin mit Burnout begegnet und im Grenzland von Land und Meer der Fragilität des Lebens nicht nur zwischen Jugend und Alter, sondern auch zwischen Verantwortung und individueller Freiheit nachspürt.

Der Übersetzungspreis geht an Thomas Oehler, der mit Feuerdörfer historische Berichte über die Zerstörung weißrussischer Dörfer zum ersten Mal ins Deutsche übertrug. Die erschütternden Zeugnisse unerträglicher Gewalt durch deutsche Truppen, die zwischen 1941 und 1944 zwei Millionen Menschen getötet haben, wurden schon 1975 gesammelt und publiziert, damals jedoch unter den Bedingungen der sowjetischen Zensur. Das Ergebnis ist eine perspektivisch eingeschränkte aber lesenswerte Zusammenstellung der Gräueltaten, die ein eher unbekanntes Kapitel der deutschen und europäischen Vergangenheit dokumentiert.

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Preis für das beste Sachbuch, der an Pop-up-Propaganda von Irina Rastorgueva vergeben wurde, und der auf innovative Weise die deprimierende Geschichte der russischen Propaganda der letzten Jahre inhaltlich und graphisch aufarbeitet.

 


Bibliographie
Tipp
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Halbinsel
Kristine Bilkau
Halbinsel
Roman - Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2025
EAN: 978-3-630-87730-3
Ein Haus am Wattenmeer. Eine Mutter und ihre Tochter. Und der Versuch einer Annäherung zwischen den Generationen. Für Leser*innen von Judith Hermanns 'Daheim', Anne Rabe 'Die Möglichkeit von Glück', Daniela Krien 'Die Liebe im Ernstfall'und Elizabeth Strout 'Am Meer'. Eine Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer. Hier, an der Nordsee, lebt Annett, Ende vierzig, seit vielen Jahren, hier hat sie nach dem frühen Tod ihres Mannes ihre Tochter Linn allein großgezogen. Linn, Mitte zwanzig, ist nach dem Abitur voller Energie in die Welt gezogen, hat sich in schwedischen und rumänischen Wäldern als Umweltvolontärin engagiert, arbeitet für ein Aufforstungsprojekt. Für Annett ist ihre Tochter die Verkörperung von Hoffnung, Sinn und Zukunft. Doch auf einer Tagung, während eines Vortrags kippt Linn um, Kreislaufzusammenbruch, Erschöpfung. Annett holt sie für eine Woche zu sich nach Hause, ans Meer, nahe Husum. Aus einer werden zwei, dann drei Wochen, dann Monate. Zerrieben zwischen Leistungsdruck und Sinnsuche, scheint Linn mit Mitte Zwanzig an einem Nullpunkt. Annett fühlt sich hilflos angesichts der Antriebslosigkeit ihrer Tochter. Mit der Zeit brechen Konflikte auf, zwischen Mutter und Tochter, aber auch zwischen zwei Generationen. Die eine muss die Lebenswirklichkeit der anderen neu verstehen lernen.Mit großem Gespür für das Zwischenmenschliche lotet Kristine Bilkau die drängenden Fragen unserer Zeit aus - die Frage nach der Verantwortung der Älteren für den Zustand der Welt sowie der Wunsch der Jüngeren, das eigene Leben mit Sinn zu füllen.

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Tipp
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Feuerdörfer
Ales Adamowitsch
Feuerdörfer
Wehrmachtsverbrechen in Belarus - Zeitzeugen berichten - Preis der Leipziger Buchmesse 2025 Übersetzung
EAN: 978-3-351-03997-4
Nach 50 Jahren erstmals auf Deutsch: die Überlebenden berichten die Wehrmachtsverbrechen in Belarus. PREIS DER LEIPZIGER BUCHMESSE 2025 in der Kategorie Übersetzung. Hier kommen Augenzeugen zu Wort, die die Massaker in den belarussischen 'Feuerdörfern' während des Zweiten Weltkriegs überlebt haben. Ales Adamowitsch, Janka Bryl und Uladsimir Kalesnik haben sie im ganzen Land ausfindig gemacht und ihre Erinnerungen auf Tonband festgehalten. Behutsam gerahmt und zu Kapiteln geordnet, entsteht aus ihren Stimmen eine verdichtete Erzählung in chorischer Vielstimmigkeit, die über eine Collage weit hinausgeht. Erstmals werden damit die unvergleichlichen Gräuel der Wehrmacht in Belarus in vollem Ausmaß anerkannt und das menschliche Leid festgehalten, zugleich der Weg geebnet für so etwas wie einen Neuanfang, für eine Zukunft. Ein Buch, das vor dem Hintergrund aktueller Kriege und antidemokratischer Entwicklungen erschreckend aktuell ist und einen 'blinden Fleck' der deutschen Geschichte beleuchtet. 'Eines Tages fiel mir das Buch Feuerdörfer in die Hand. Eine solche Erschütterung hatte ich nur einmal bei der Lektüre von Dostojewski erlebt. Die Erzählung setzt sich zusammen aus Stimmen des Lebens, aus dem, was ich in meiner Kindheit gehört habe, was heute auf der Straße gesagt wird, zu Hause, im Café, im Bus. Ales Adamowitsch wurde mein Lehrer ' SWETLANA ALEXIJEWITSCH, TRÄGERIN DES LITERATURNOBELPREISES Mit einem Vorwort von Irina Scherbakowa und einem Nachwort von Nina Weller

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