Leipzig hat gesprochen

Die Preise der Leipziger Buchmesse sind vergeben und haben den Status von Leipzig als dem politischen Gewissen der deutschen Buchgroßpreise bestätigt.

Die Halbinsel von Kristine Bilkau hat die Jury des Belletristikpreises als bester Roman für sich gewinnen können. Sie erzählt die Geschichte einer Mutter und ihrer Tochter auf einer Halbinsel an der Nordsee, wo die einsame Mutter der Aktivistin mit Burnout begegnet und im Grenzland von Land und Meer der Fragilität des Lebens nicht nur zwischen Jugend und Alter, sondern auch zwischen Verantwortung und individueller Freiheit nachspürt.

Der Übersetzungspreis geht an Thomas Oehler, der historische Berichte über die Zerstörung weißrussischer Dörfer zum ersten Mal ins Deutsche übertrug. Die erschütternden Zeugnisse unerträglicher Gewalt durch deutsche Truppen, die zwischen 1941 und 1944 zwei Millionen Menschen getötet haben, wurden schon 1975 gesammelt und publiziert, damals jedoch unter den Bedingungen der sowjetischen Zensur. Das Ergebnis ist eine perspektivisch eingeschränkte aber lesenswerte Zusammenstellung der Gräueltaten, die ein eher unbekanntes Kapitel der deutschen und europäischen Vergangenheit dokumentiert.

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Preis für das beste Sachbuch, der an Pop-up-Propaganda von Irina Rastorgueva vergeben wurde, und der auf innovative Weise die deprimierende Geschichte der russischen Propaganda der letzten Jahre inhaltlich und graphisch aufarbeitet.