Joseph Süßkind Oppenheimer
Der Titel ist Programm: nicht Jud Süß, sondern ein Mann mit einem vollen Namen: so stellt Raquel Erdtmann den Mann dar, der dank eigener Kraft und fürstlicher Protektion zum Hoffaktor des württembergischen Herzogs aufstieg, bis Neider, Intriganten und Antisemiten ihn an den Galgen brachten.
Die Gerichtsreporterin Erdtmann beschreibt sehr engagiert anhand der erhaltenen Dokumente und Prozessakten Aufstieg und Niedergang des Bankiers Oppenheimer. Von seiner Mannheimer Zeit bis zur Hinrichtung auf der Wolframshalde beim heutigen Pragfriedhof analysiert sie die Hintergründe seines Aufstiegs, seine Ambitionen und die Widerstände, auf die er stieß.
Ein Mann der Moderne war er, der solide und transparente Staatsfinanzen wollte, der eine Staatsbank gründen und die Verschwendungssucht des Herzogs zügeln wollte, der aber gleichzeitig Diamanten en masse seinem Fürsten besorgte und die Stimmung im Land so falsch einschätzte, dass er sich seiner Situation erst bewusst wurde, als es zu spät war.
Eine Biographie wie ein Roman, und ein Buch, das dem Bild des liederlichen Hofjuden, wie es von seinen Zeitgenossen konstruiert wurde, den Bankier, Reformieren und Lebemann entgegen zu setzen.