Im Gegenwind der Worte

Wer es gerne etwas anspruchsvoller hat, dem sei Die Horde im Gegenwind empfohlen. Mehr Sprachgewalt und Wortzauberei als dort - von Anakoluth, Anagramm und Palindrom bis zum Zynismus - geht nicht.

Der Plot ist einfach: Die Horde, eine Gruppe von Männern und Frauen kämpft sich gegen einen fantastischen und manchmal gigantisch starken Wind durch Sandwüsten, Wasserwüsten und Eiswüsten in die Richtung eines Fernstromaufs, einem der zahlreichen Neologismen des Buches.

Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, der die Horde nicht nur zusammenschweißt, sondern auch zu einer Metapher für das Leben selbst macht. Denn wie eine kleine Philosophie der Lebenspraxis erscheinen die Dialoge der Hordenmitglieder. Vom Durchhalten und Aushalten, von der Frage, ob man für den Marsch auf Technik oder auf sich selbst setzen soll, wie sich Erfahrung, Kunst oder Schicksal zueinander verhalten, ob man Stationen überspringen darf, oder den Weg als Weg zu akzeptieren hat, wie man Ziele definieren soll, wann man ein Vorhaben als sinnlos abbrechen soll oder mit trotzigem Dennoch weiterzumachen hat.

All das und noch vielmehr debattiert Damasio in einer überwältigenden Sprache, die voller Wortspiele und Neubildungen den Lesenden ähnlich umströmt, wie die Starkwinde Crevetz und Grimmwind die Horde.

Was Alain Damasio hier in einer Mischung aus Dystopie, Fantasy, Steampunkdrama und avantgardistischem Abenteuerroman aufs Papier zaubert ist überwältigend. Und über 600 Seiten hie und da auch ein wenig ermüdend. Das erstaunlichste Leseerlebnis der Saison ist es sicher. Aber ein wenig hartgesotten sollte man schon auch sein.


Bibliographie