Holt, Colorado, zum Dritten

Wer die ersten beiden Bände über das Provinznest Holt in Colorado von Kent Haruf gelesen hat, der kennt die Personen, die darin vorkommen, und er weiß, was ihn auch in diesem neuen Buch erwartet. Obwohl man weitab vom Schuss große Träume hegt, aber wenig vom Leben erwartet, ist es weniger das Schicksal, als vielmehr das Handeln, das die Geschicke der Menschen bestimmt. Einfach, ein wenig erdig kommt auch der dritte Teil daher, und handelt von der ermüdenden Selbstbehauptung im Alltag, von Abschied und Neubeginn, von Krankheit und Tod, von dem, was unser Leben markiert und manchmal auch auszeichnet. Auch hier zieht sich ein elegischer Grundton durch die Seiten und macht den Roman erneut zu einem gelungenes Buch. Sein Geheimrezept liege, so der 2014 verstorbene Autor, darin, dass er blind Schreibmaschine schreibe und nicht korrigieren könne. Daher erzähle er Geschichten und poliere sie nicht, bis sie glänzen. Das kann man vielleicht nicht sehen, aber lesen. Ein Band aus Holt fehlt noch in deutscher Übersetzung, wir dürfen gespannt sein.