Für die Kunst brennen
Eine der Auswüchse unseres heutigen Starsystems, das auf der weltweiten Gegenwärtigkeiten von wenigen kulturellen Fixsternen beruht, ist die Ausbeutung dieser Stars bis ins 8. Glied. So gibt es nun auch eine Art Romanbiographie der Schwägerin van Goghs, ein auf den ersten Blick eher verzichtbares Unterfangen.
Die Züricher Autorin Simone Meier hat aus dem Leben von Jo van Gogh-Bongers aber soviel Gold geschlagen, dass dieses Buch sicher zu den schönsten des Frühjahrs zählt.
Da wäre zum einen die Tatsache, dass die kurz Jo genannte Schwägerin die Hauptverantwortliche des weltweiten Ruhms des berüchtigen Malers ist. In strategischer, jahrzehntelanger Arbeit verwaltete sie den Nachlass und schob mit gezielten Ausstellungen und Verkäufen die Bilder vom Rand in die Mitte des Kunstzirkus.
Vor allem aber reflektiert die Autorin das Leben dieser Frau im Echoraum einer schriftstellerischen Existenz der Gegenwart. Es gibt nicht nur Jo, sondern auch Gina, Kunsthistorikerin auf dem Weg zu einem Buch. Wo Jo weniger mit Vincent als mit dessen früh verstorbenen Bruder Theo und seinen im Ehebett nachfolgenden Männern zu kämpfen hat, so streitet Gina mit ihren Männern, vor allem dem kreativ versiegten Schriftstellervater.
Was folgt ist eine manchmal tieftraurige, manchmal heitere, immer kluge biografische Tiefenschürfung, die auf weitere Bücher von Simone Meier Lust macht.