Die Wasserbaukunst der Zisterzienser

Gerade in unseren Hochtemperaturzeiten wird die Bedeutung von Wasser für jeden Lebensbereich offensichtlich. Vom Trinkwasser über das Brauchwasser bis zum industriellen Nutzwasser hält es alle gesellschaftlichen Bereiche am Laufen. Umso interessanter ist die Frage, wie in früheren Zeiten die Menschen mit Wasser und Wasserknappheit umgegangen sind, und welche Techniken sie dafür entwickelt haben.

Die mittelalterlichen Klöster waren nicht nur Gehäuse für ein ideales, christliches Leben, sie waren oft genug auch Zentren der technologischen Entwicklung. So sind die Zisterzienser für ihre ausgeklügelte Wasserwirtschaft bekannt, die allerdings bisher nur wenig im Detail erforscht wurde. Abhilfe schafft hier ein opulenter Band mit über 300 Seiten des Kunsthistorikers und Bauforschers Ulrich Knapp. Nach einer allgemeinen Einführung erläutert er die Grundlagen des Wasserbaus am Beispiel der drei süddeutschen Klöster Maulbronn, Bebenhausen und Salem. 

Von Speicherseen, Zulaufkanälen, Leitungssystemen und Brunnenanlagen handeln seine Darlegungen, die mit fast 300 Plänen und Fotografien illustriert sind. Da sich ein großer Teil des Wasserbaus im Verborgenen vollzieht, darf man dankbar für viele erstmalige Einblicke in Quellfassungen und Kanalsysteme sein. Es ist ein beeindruckendes Unterfangen, das man hier nachvollziehen kann: Die Erschließung des Geländes als Nutzlandschaft hatte viele Facetten, die hier detailreich vorgestellt werden. Dazu gehören nicht nur die unmittelbaren Brunnen, wie der berühmte dreischalige in Maulbronn. Dazu gehören auch die Mühlen, die Fischwässer, die Badstuben und – nicht zu vergessen – die monumentalen Abortanlagen, wie sie erst seit dem vergangenen Jahr auch für Maulbronn detaillierter als bisher rekonstruiert werden können.

Der Band ist Pflicht für alle an Kloster-, Wirtschafts- und Technikgeschichte Interessierte.


Bibliographie
Tipp
book_2
Die Zisterzienser und das Wasser
Ulrich Knapp
Die Zisterzienser und das Wasser
unter besonderer Berücksichtigung der Abteien Bebenhausen, Maulbronn und Salem
EAN: 978-3-7319-0350-5
Wasser war ein zentraler Standortfaktor für die Ansiedelung eines autark wirtschaftenden Klosters: Frisches Quellwasser wurde als Trinkwasser benötigt, Wasser aus Fließgewässern war als Energieträger und zur Reinigung des Klosters unerlässlich. Die natürlichen Gewässer lieferten Speisen wie Fische, Krebse oder Muscheln. Bei entsprechender Größe wurden sie zudem als Transportweg genutzt. Die Zisterzienser optimierten die in den großen Benediktinerklöstern des 10. und 11. Jahrhunderts entwickelten Techniken der wasserbaulichen Infrastruktur und führten diese zu hoher Perfektion. Im 12. bis 14. Jahrhundert erforderten die personenstarken Konvente entsprechend umfangreiche Komplexe mit Latrinen, Badstuben und Waschhäusern für die Mönche und für die Konversen sowie entsprechende Anlagen für die Infirmerie. Für die optimale Funktion der Latrinen und für den Betrieb der Klostermühlen war eine gesicherte Wasserzufuhr in ausreichender Menge unabdingbar. Für die meisten Klöster wurden hierfür umfangreiche Wasserspeicher angelegt. Auch die Umleitung von natürlichen Gewässern diente diesem Zweck. Die Zisterzienser legten besonders hohen Wert darauf, den Zugriff auf die Ressource Wasser vollumfänglich rechtlich abzusichern. Neben der Nutzung von Quellen galt dies vor allem für die Nutzung der Wasserkraft und die Fischereirechte. Ab dem späten Mittelalter wurden neben den Speicherseen gesonderte Fischweiher angelegt. Fallstudien sind den Klöstern Bebenhausen, Maulbronn und Salem gewidmet, die von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg betreut werden.

Nicht lieferbar

29,95 €