Der Fritz und der Friedrich

Als Peter Härtling seinen Hölderlin-Roman in den 70er Jahren publizierte erfuhr er viel Lob, aber auch ein wenig Kritik. Peter Hamm und Hans Mayer, damals einer der bekanntesten Intellektuellen der Republik, kritisierten beide Härtlings Hang zum Alltäglichen, zum Normalen, zu den menschlichen Seiten seines Hölderlins seines Hölderlins. Dazu gehöre auch das Schwäbische, das die hohe und hehre Dichtung beschädige.

Härtlings Reaktion darauf zeigt nicht nur sein Verständnis von Hölderlin, sondern scheint mir grundlegend zum Verständnis des Menschen und Schriftsteller zu sein: Für ihn gehöre beides zusammen. Er können den jungen, schwäbelnden Fritz nicht vom emphatisch deklamierenden Friedrich trennen.

Genau diesen Eindruck hatte ich von Peter Härtling, wenn ich seine anderen Bücher las, oder ihn das eine oder andere Mal getroffen habe. Bescheiden und alltäglich, wie jeder andere auch, und doch selbstbewusst als Dichter und Schriftsteller. Die Geschichte mit Fritz und Friedrich lässt sich neben vielen anderen in der neuen Biographie von Klaus Siblewski nachlesen.

Ebenfalls neu erschienen ist der Band Späte Gedichte von Härtling, der zahlreiche unveröffentliche Texte enthält. Wir raten zu.


Bibliographie