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Das Wunder und das Monster

Das Wunder und das Monster haben dieselben Wurzeln, so sagte einst Victor Hugo, und so haben es Sebastien Perez und Benjamin Lacombe an den Anfang ihrer Erstaunlichen Familie Appenzell gesetzt. Das neue Bilderbuch des Erfolgsduo ist einer Familie gewidmet, die es so wenig gab, wie die Royal Tenenbooms oder die Addams Family. Mit diesen gemeinsam hat sie eine düstere und ans gruselige grenzende Unheimlichkeit der Familienmitglieder.

Es gibt Damen mit langen Hälsen oder drei Beinen, Kinder mit Rübennase oder Geweih, der eine oder andere existiert als Baum, und was man sich sonst noch in langen Alpträumen ausmalen kann. Erzählt wird diese Geschichte von Wundern und Monstern vor allem in Bildern, die einem eine wohlige Gänsehaut entstehen lassen.

Ähnlich changierend zwischen Schrecken und Schönheit, wenn auch in ganz anderer Art und Weise ist das Buch meine wilde katze von Isabell Simler. So glühende Farben, so leuchtende Schönheit hat man selten gesehen. Hier dienen sie dem Lobgesang auf die Katze, die bei aller Schönheit, Eleganz und Grazie doch auch immer wild, unabhängig und der Schrecken aller Mäuse ist.

Ganz Schönheit ist Der Baum und der Vogel von Coralie Bickford-Smith. In wundervollen, typographisch ergänzten Bildern wird hier die Geschichte eines Vogels erzählt, der seinem Schwarm nicht folgt, sondern einen Baum als Schutzraum und Heimat erwählt. Die Monster von Hunger, Not und räuberischen Arten sind hier ganz ausgeschlossen. Mit der Schönheit der Buchgestaltung hat die Autorin ein Äquivalent zur in sich ruhenden Natur gesucht und gefunden.

Alle drei Bücher sind durch einen ausgeprägten Willen zum künstlerischen Aufwand besondere Schmuckstücke. Und alle drei schaffen es - Perez/Lacombe in düsteren Phantasien schwelgend, die beiden anderen mit strahlenden Farben - weit in unseren Alltag hinein zu leuchten.