Schwarzpulver, gezündet

Als dystopischer Roman, als gnadenloses Ausleuchten der Tendenzen unserer Gegenwart, wird der Debütroman von Laura Lichtblau, ihres Zeichens Spex-Autorin, derzeit im Feuilleton gefeiert. Das mag schon sein, denn in Schwarzpulver knechtet eine rechtsradikale Regierung das Volk und vor allem die Frauen, die züchtig zurück an Heim und Herd geschickt werden sollen.

Um Schwung in das starre Leben der Diktatur zu bringen hat sich die Autorin eine skurrile Konstellation ausgedacht. Charlotte, eine ad-hoc-Scharfschützin, ist die Mama von Charlie, der im Praktikantenuniversum der Berliner Rapperszene mit Tüten und viel Musik Erfüllung sucht. Daneben gibt es Burschi, die auf der Suche nach Ihrer sexuellen Identität politisch unkorrekt die wahre Liebe zu Johanna entdeckt. Ein Showdown bringt alle bei einer Demonstration zusammen und führt sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Doch abseits der Rahmenhandlung geht es vor allem um die Befindlichkeiten der Protagonisten, um ihre Gefühle, Sehnsüchte und darum, was das Leben ausmacht. „Schwarzpulver“ ist nicht umsonst der Begriff, mit dem der Duft des Geliebten beschrieben wird. Die Liebe ist hier die Macht, die allen Mächtigen das Fürchten lehrt.

Was den Roman jedoch absolut lesenswert macht ist die Sprache. Mit unglaublicher Kreativität zündet die Autorin ein Wortfeuerwerk nach dem anderen. Vielleicht ist das Spiel mit Skurrilitäten, mit Wortwitzen und dialektalen Einsprengseln manchem zuviel. Für mich ist es die Essenz von Literatur. Und darum sollte man dieses Buch lesen.

Lichtblau, Laura
Verlag C. H. BECK oHG
ISBN/EAN: 9783406755569
18,95 € (inkl. MwSt.)