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Dunkelheit in Dunkelblum

Dunkelblum - so könnte jede kleine Stadt, jedes größere Dorf in Deutschland heißen. Denn obwohl es in Österreich steht, sind auch dort die Menschen gezeichnet vom 20. Jahrhundert. Eva Menasse erzählt in ihrem neuesten Roman von den Verletzungen, von Krieg und Gewalt, von Antisemitismus und politischem Irrsinn, wie er dieseits und jenseits der Grenze bestanden hat und von den Opfern, die er gefordert hat.

Der ganze Schrecken, den man versuchte, nach dem Krieg mit Schweigen und einer großen Wiese zu verdecken, wirkt untergründig in den Menschen weiter und bricht sich auch in diesem Roman Bahn in die Gegenwart. Doch das Wundersame und auch Schöne an diesem Buch ist die Plastizität der Sprache, mit der die Autorin nicht nur den Schrecken schrecklicher, sondern auch die Heilung wirklicher macht. Mag sein, dass die österreichischen Autoren die besseren Schriftsteller als die Deutschen selbst sind, da bei ihnen der Dialekt Würze und Farbe in den Text bringt. Beides bietet dieser Roman in reichem Maße, ohne deswegen skurril zu sein.

Dunkelblum ist eine Kleinstadtgeschichte, wie in den Romanen von Juli Zeh, doch wie mir scheint, mit mehr lebendigen Menschen. Während im Umland von Berlin gerne einmal Kulissen geschoben werden, atmet hier die Landschaft, die Menschen schmecken und riechen, und die Biographien wirken echt. Auch wenn sie es natürlich nicht sind. Denn dieser Ort könnte überall stehen. Unbedingt lesenswert.

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783462047905
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